Vor- und Nachteile des Stillens

zoozee | | |
Das Thema Stillen ist ein heiß diskutiertes Thema. In den 60er Jahren wurde den Frauen geraten, nicht zu stillen, und doch lieber die industrielle Pulvernahrung zu verwenden, da diese viel "hygienischer" und frei von Schadstoffen sei. Heutzutage ist der öffentliche Tenor, unbedingt zu stillen (es steht sogar auf den Milchpulverpackungen), da dies der "natürlichste" und gesündeste Weg sei. Ich finde es nicht angemessen, beide Standpunkte im Extremen zu verteidigen. Bei diesem Thema gibt es eine starke emotionale Komponente, die besonders von Frauen in einschlägigen Foren vertreten wird. Nach dem Motto "ich habe das geschafft, und deswegen ist es der beste Weg für alle."  Ich möchte euch hier kurz darstellen, wie ich die Vor- und Nachteile des Stillens sehe. Ich persönlich hatte große Probleme mit dem Stillen, und habe auch bei einigen anderen Erstmüttern gesehen, das es nicht so unproblematisch abläuft, wie einem oft suggeriert wird.

♥ Vorteile ♥

- bietet die beste Ernährung für das Baby, da es auch Imunstoffe der Mutter enthält und somit einen "Nestschutz" bietet
- ist kostenlos, steril und wohltemperiert
- man braucht kein extra Zubehör wie Flaschen, und muss keine Zeit für das Sterilisieren aufwenden
- das Baby bekommt eine extra-Portion Körpernähe
- der Kiefer des Babys muss mehr arbeiten, daher wird er kräftiger und neigt wohl weniger zum Überbiss
- der Stuhl des Babys ist flüssiger und riecht am Anfang angenehmer
- die Frau verliert schneller ihre Schwangerschaftspfunde - muss aber nicht in jedem Fall so sein

♥ oft genannte, sogenannte "Vorteile" ♥

- man kann jederzeit und an allen Orten stillen - überlegt mal, an welchen öffentlichen Orten möchte/kann man mal eben seine Brust rausholen? Es geht eben nicht überall! Es wird erwartet, dass die Frau auf einen großen Teil ihrer Intimsphäre verzichtet.

♥ Nachteile ♥

- die Einübung des Stillens ist für Mutter und Baby nicht naturgegeben, manchmal dauert es Wochen, bis es richtig klappt. Am Anfang ist es bei der Mutter oft mit Schmerzen verbunden
- die Mutter steht unter dem psychischen Druck, als Alleinernährerin für das Baby verantwortlich zu sein, also Tag und Nacht funktionieren zu müssen. Das kann am Anfang, wenn man von der Geburt noch körperlich geschwächt ist, sehr anstrengend sein. Klappt es mal nicht mit dem Stillen, z.B. wegen der Milchmenge am Anfang, trägt sie die alleinige Verantwortung und macht sich oft Sorgen.
- man kann unter Umständen dem Baby in den ersten Monaten keinen Schnuller geben
- unter Umständen akzeptiert das Baby die abgepumpte Milch/ oder Milch aus Milchpulver nicht
- der Mann kann nicht an der Ernährung des Babys teilhaben
- es kommt zu unangenehmen körperlichen Erscheinungen für die Frau, z.B. Milchstau, oder die Brust ist sehr empfindlich und sehr prall gefüllt, wunde Brustwarzen, man "läuft aus" und muss daher Stilleinlagen tragen
- es kommt zu einer starken Beanspruchung des Rückens, vor allen Dingen am Anfang, wenn die optimalen Stillpositionen noch nicht gefunden wurden
- bei Problemen muss man sich an eine sogenannte Laktationsberaterin wenden. Diese zu organisieren ist mit erheblichem Aufwand verbunden
- die Frau bekommt von allen Seiten viele "gute Ratschläge" und wird unter Druck gesetzt, bis hin zur teilweisen Entmündigung
- Stillen und im Beruf arbeiten ist meiner Meinung nach nicht gut möglich

Letztendlich sollte es wirklich jede Frau selbst entscheiden dürfen, ob ihr das Stillen angenehm ist oder nicht, und auch die Alternativen, die ja nun wirklich vorhanden sind, ohne Reue benutzen dürfen.

Tipps zum Stillen findet ihr übrigens bei der La Leche Liga Deutschland e.V.

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